Mittwoch, 12. März 2014

Der Schulalltag








 Bijou und Ich







 
Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass es mit der Zeit einfacher werden würde...
Leider ist dieser Zustand bisher noch nicht eingetreten. Ich habe immer noch meine 6c, zusammen mit Janne und bin nach der einen Stunde, die ich unterrichte oft fertig und genervt. Es ist sooo anstrengend! Ich habe 85 Schüler, zwischen 10 und 18 Jahren und kenne vielleicht zwei mit Namen. Ich dachte auch, da wir ja zu zweit sind, könnten wir mehr auf die Schüler eingehen, aber das klappt irgendwie doch nicht.

Heute haben wir versucht die Hausaufgaben zu kontrollieren. Nach 20 Minuten mussten wir abbrechen. Während ich noch in der ersten Reihe war und mir die Namen notiert habe,von den Schülern, die die Hausaufgabe gemacht haben, was immer ziemlich wenige sind, haben die anderen hinter mir die Hausaufgaben abgeschrieben. Wenn ich das gesehen habe, meinte ich, dass ich deren Namen dann natürlich nicht aufschreibe, was die Schüler dann auch verstanden haben. Aber bei den meisten weiß man dann auch nicht mehr wer gerade abgeschrieben hat und wer die Hausaufgaben wirklich Zuhause gemacht hat. Als wir dann aufgehört haben, kamen die Schüler, die es schon in den Heften stehen hatten nach vorne und meinten, sie hätten es wirklich Zuhause gemacht! Die jammern uns dann immer richtig ein vor, egal was man sagt. Das tut mir für die, die sie gemacht haben dann auch Leid, denn ich kann mich schon in sie hineinversetzen, aber wir hatten keine andere Möglichkeit und mussten mit dem Unterricht anfangen.

Zwischendurch kam nochmal der Aufpasser/Bestrafer rein, ein Mann vor dem wir auch ein bisschen Angst haben. Er sieht echt ein bisschen böse aus, auch wenn er natürlich zu uns nett ist, zu den Schülern ist er das nicht. In einer Klasse gibt es immer ein Schüler, der Namen auf eine Liste schreibt, von denen die laut sind und stören. So 15 Kinder haben dann meine Klasse verlassen, von denen nach meiner Meinung viele gar nicht stören, und die gehen dann mit dem Surveillance mit und müssen sich vor seinem Büro draußen auf die Steine Knien für so 30 Minuten. 

Bis ich dann wirklich mit dem Untrericht anfange dauert es nochmal mindestens fünf Minuten, denn die Kinder hören einfach nicht! Viele hängen noch draußen vor dem Klassenzimmer rum und manche versuchen die anderen Kinder zur Ruhe zu bringen und schreien durch die Klasse. Wieder Andere schlafen, quatschen, rennen durch die Klasse oder schlagen sich sogar. Dieser Lärmpegel dabei ist eigentlich das schlimmste. Denn auch wenn dann alle mal auf ihren Plätzen sitzen, machen nur die Kinder vorne mit und bisher ist es uns auch noch nicht so richtig gelungen, dass die hinten auch zuhören. Die meiste Zeit jedenfalls ist es ziemlich laut und das ist soo verdammt anstrengend. Heute sind wir dann am Ende einfach ohne Worte aus dem Klassenzimmer gegangen, denn es hatte keinen Sinn mehr.

Letzte Woche habe ich ein neues Belohungssystem eingeführt, denn sowas hatten die Schüler noch gar nicht. Ich kenn das noch aus der Grundschule^^. Vier Gruppen müssen durch leise sein, schnell abschreiben, Hausaufgaben machen usw. Sterne sammeln, die wir dann vorne an die Tafel malen. Nach zwei Wochen bekommt die Mannschaft, die am meisten Sterne hat einen kleinen Preis. In den ersten zwei Tagen war es tatsächlich leiser und es hat teilweise echt Spaß gemacht!  Wenn ich einen Stern gegeben habe, vor allem in Gruppe zwei, war es für 5 Minuten aber erstmal wieder laut. :D Vor Jubelschreien. Mittlerweile hat das Interesse aber schon wieder nachgelassen und ich muss mir was neues einfallen lassen...
Mal gucken wie das weiter geht.

Für unsere Schule sind wir auch jeden Fall eine Unterstützung, denn die Lehrer hier sind echt überlastet. Es gibt so 40 Lehrer für 3000 Schüler...Wir haben jetzt zwei Lehrern jeweils eine Klasse abgenommen. Wenn mich schon eine Stunde schafft, wie ist das dann bei den anderen Lehrern?1:o

Heute bei der Konferenz habe ich gehört, dass es bei den anderen genauso schlimm ist. Die Schüler sind laut, undiszipliniert, kommen zu spät, schlafen selbst wenn man vor den steht und und und...Unser Mentor hat uns bei unserer letzten 6-Monats-Besprechung Mut gemacht, dass es bei allen schwierig ist und wir einfach durchhalten sollen.  Irgendwie finde ich das schade, dass es einfach so doof ist für die Lehrer und niemand was dagegen machen kann.


Ich denke unsere Ansprüche an uns selbst sind da auch noch ein bisschen höher, denn es ist ja nicht einfach unser Job sondern unser Freiwilliges Jahr!
Ich versuche aber mir von der einen Stunde mir nicht allzulange die Laune verderben zu lassen und vielleicht noch nachmittags Nachhilfe anzubieten und andere Sachen zu machen, die den Schülern irgendwie helfen.
Also wenn ihr Fragen habt stellt sie gerne.
Abgesehen von der Schulzeit haben wir echt immer schöne Sachen vor und viel Spaß. Deswegen muss ich jetzt auch schlussmachen und zum Tanzen!:) Bald haben wir da eine Prüfung und sind dann bald in dem nächsten Kurs :))
Bis Bald
Kathy

Donnerstag, 6. März 2014

Ghana Reisen, Tanzen, Fußball & Co

Erste Ghana Reise

Lang ist's her. Ich weiß garnicht wo ich anfangen soll...Es gibt so viel zu erzählen!

Also, erstmal erzähl ich was von Ghana. Das letzte Wochenende im November waren Janne und ich zum ersten Mal für drei Tage in Ghana. Ich wollte Paula in Swedru besuchen und Janne ihren Freund in Accra. Vorher mussten wir uns um ein Visa kümmern, dass man nur in der ghanaischen Botschaft bekommen kann. Leider kostet so ein Visa jedes Mal 30 Euro, auch wenn man nur für drei Tage da ist:/ Und die Frau, die jedes Mal für unser Visa zuständig war, ist auch leider nicht unsere beste Freundin und irgendwie scheint die ihren Beruf auch nicht sonderlich zu mögen...Wir brauchten ständig neue Bescheinigung oder Formulare und es war alles so entsetzlich nervig! :D Wir habe so viele Freiwillige in den Stunden getroffen, die wir dort verbracht haben und uns gegenseitig unsere Leidensgeschichten erzählt.

Mit dem Visa, Geld und Impfausweis in der versteckten Bauchtasche und unseren Reiserucksäcken machten wir uns früh morgens auf zur Grenze. Die Grenze ist eine Stadt für sich. Sie liegt direkt an Lomé und gehört auch noch halb zu Togo, heißt aber Aflao. Als erstes mussten wir unsere Francs in ghanaische Cedis umtauschen lassen, was eigentlich ne leichte Sache war, denn sobald ich vom Moto stieg, umringten mich 10 Männer und riefen "Change, change, ici, good price, change, change...". 
Nun musste ich ein Formular ausfüllen, dann weiter in ein anderes Gebäude, wieder ein Formular ausfüllen, fotografiert werden und den Reisepass ca 10 Mal abstempeln lassen.
Nach zwei Stunden waren wir durch und konnten uns ein Trotro suchen. Trotros sind die Taxis in Ghana. Meistens sind das so Kleinbusse für 12 Personen, in die gerne aber auch mal 24 Personen reingequetsch werden^^. Es gibt auch Reisebusse und klimatsierte Autos für fünf Personen. Auf den Fahrten passiert immer irgendetwas...Oft steht irgendein Prediger vorne und redet was, was ich nicht verstehe. Aber Amen geht immer :D Zum Glück steigen die meisten nach 15 Minute aus. Manchmal haben die Trotros ein Fernseher, aber ich bin froh wenn nicht, denn ich finde die afrikanischen Filme, in denen plötzlich Blitze aus Händen schießen und lauter seltsame Sachen passieren nicht soo toll und die Schauspieler sind so gut wie die bei RTL nachmittags...Was aber richitg cool ist, ist die Musik! Und das Essen am Straßenrand. Sobald man durch ein Dorf fährt und kurz anhält werden die Fenster aufgeschoben und Brote, Yam, Mangos und noch vieles mehr werden einem angeboten.

Nach drei einhalb Stunden Fahrt waren wir in Ghanas Hauptstadt Accra. Accra ist ziemlich anders als Lomé. Viel, viel größer und moderner! Riesige Hochhäuser, Hotels, Autohäuser und Fabriken in den Vororten...Das Leben auf der Straße und alles was dort verkauft wird, ähnelt schon sehr dem in Lomé. Aber manchmal dachte ich, ich wäre nicht in Afrika, sondern Europa, Barcelona oder so.
 An der Accra Mall haben Janne und ich uns getrennt und ich fuhr weiter zu einer Trotro Station. Von dort aus gings dann weiter nach Swedru. Doof war nur, dass ich noch keine ghanaische Simkarte hatte und mit Aldi Talk zwar problemlos nach Datteln simsen konnte, aber in Ghana nur angerufen werden konnte. Und ich wusste auch nicht, wo ich in Swedru aussteigen sollte, weil man am Telefone echt garnichts verstehen konnte, weil's im Bus soo laut war! :D Es wurde immer dunkler und ich stand eine Stunde im Stau. Hatte zum Glück einen netten Sitznachbarn, mit dem ich mir nach fünf Minuten ein Kuchen geteilt habe. :)  Was auch zielich schwierig war, war Englisch zu sprechen...Jedes zweite Wort war französisch und deren Akzent habe ich erst auch garnicht verstanden :D


Letztendlich haben Paula und ich uns doch gefunden. Am Freitag Morgen haben wir geholfen eine Schule zu streichen und sind nachmittags nach Winneba gefahren, eine schöne Studentenstadt am Strand. Es war der schönste Strand den ich je gesehen habe! Abends sind wir mit anderen Freiwilligen in einen Spot gegangen...Das war schon eine sehr....aufregende Erfahrung. Echt, sowas habe ich noch nich erlebt!:o Als wir die Tanzfläche betraten, die ziemlich voll war, kamen direkt eine Handvoll Kerle. Einer vorne, einer hinten und zwei an den Seiten. So wurde dann getanzt! Ab und zu haben die über meinem Kopf so ein Handzeichen gemacht, das hieß dann, dass ich umgedreht werden sollte...Yay, jede wollte mal an die Reihe kommen. Es war so ansrtrengt, die ganze Zeit darauf zu achten, wo die vier Hände blieben, dass ich nach fünf Minuten wieder rausgegangen bin. Hola, ich war so sprachlos!! Aber wie die anderen Mädels meinten, sei das Gewöhnungssache und irgendwann stört es einen nicht mehr so.^^ Gut. Ein bisschen später fande ich es dann auch nicht mehr ganz so schlimm, aber ich bin froh, dass es in Lomé bisher anders war.
Samstag haben wir dann mit einer Gruppe Freiwilliger den ganzen Tag am Strand verbracht. Ich habe mich von Bananen, Ananas und Kokusnüssen ernährt und ein Mann, der die Kokusnüsse von den Palme holt hat uns gezeigt wie das geht. Wir haben es dann auch versucht, aber so leicht es doch aussieht, diese Technik zu beherrschen dauert! :D Nach drei Metern habe ich mich lieber wieder in den Sand fallen lassen.

Es war echt ein wunderschöner Tag am Strand. :)
Am Sonntag habe ich mich Mittags wieder mit Janne in Accra getroffen. Leider hat es zwei Stunden gedauert bis das Trotro voll war und so kamen wir erst ziemlich spät in Aflao an. Und dann mussten wir ja auch noch über die Grenze. Im Dunkeln ist das echt nicht so eine angenehme Sache. Wieder Formulare ausfüllen, fotografiert werden, gestempelt werden...Endlich hatten wir es geschafft!! Mit Motos gings dann wieder zurück zu unserer Familie, die schon auf uns gewartet hat.
Es war der erste Advent. Schon ein bisschen seltsam, bei 25 Grad die erste Adventskerze anzuzünden.:)


Tanzkurs


Seit Weihnachten nehme ich an einem Tanzkurs teil. In unserem Quatier Tokoin Hopital gibt es eine ziemlich gute Schule "Ecole Alpha" die Montags, Mittwochs, Freitags und Sonntags einen Tanzkurs anbietet. Wir hatten beim ersten Besuch Pluderhose und Flipflops an, womit wir ziemlich uns underdressed vorkamen.^^

Unter Woche findet das Tanzen immer von 18:30 bis 20 Uhr statt. Sonntags ist kein Training, dort wird nur so getanzt, alles was man schon kann.
Janne und ich sind jetzt im Anfänger Kurs. Wir lernen die Haltung (the Hold), die Basisschritte(natural Turn) und was Tanzlinien sind. Bevor wir offiziel in der ersten Gruppe waren, haben wir bei einer Prüfung zugeguckt und hatten keine Ahnung, was die da machen und wozu diese Tanzlinien gut sind :D

Tanzlinien: Stellt euch einen imaginären rechteckigen Raum vor. Es gibt vier Tanzlinien. Wenn ich auf der imaginären Tanzlinie stehe, ist rechts von mir die Wand und links das Zentrum. Dann gibt es so Begriffe wie "Face a la ligne de dance" wo man normal auf der Tanzlinie steht. Dann gibts noch Face au Mur, Face au centre, Face diagonalement au mur, Face diagonalement au centre, Dos au Mur, Dos au Centre, Dos diagonalement au Mur...Und so weiter :D

 Am Anfang klingt das echt kompliziert, ist aber ziemlich einfach. Wenn man dann später Tänze lernt, dann macht man das erst alles ohne Partner. Der Tanzlehrer sagt dann in welcher Position und auf welcher Tanzlinie man startet und man steht in einer Reihe und tanzt alles synchron. Zwischendurch tanzt man dann immer mit Partner. Wir mussten sogar lernen, wie man die Männer auffordert und was man macht, wenn man aufgefordert wird! Erst steht man auf, streicht seine Kleidung glatt, nimmt mit den Fingern den Rock oder das Kleid so in die Hand und zieht es möglichst elegant nach außen, läuft dabei zu dem Mann, den man auffordern möchte, macht ein Knicks, reicht ihm die Hand und geht ein Schritt zur Seite. Am Ende führt man den Mann zum Platz zurück oder andersrum.

Übrigens: Hohe Schuhe sind Pflicht. Bisher habe ich noch keine, aber mittlerweile werden wir jedes Training darauf hingewiesen. "Flache Schuhe tragen Frauen ab sechzig" war ein Kommentar von "Lorsque", der Tanzlehrer, der mir persönlich etwas unsympathisch ist und immer "Lorsque" sagt, und deswegen jetzt so heißt. Aber in der Tanzschule sind soo viele Leute und so viele unterschiedliche Tanzlehrer, es macht echt ziemlich Spaß!:) Am häufigsten wird Salsa getanzt. Aber auch Chachacha, Pachata, Tango in allen möglichen Varianten, Quick Step, Fox Trott Walzer und Gruppentänze.


Mitte März oder Apri machen wir unsere erste Prüfung. Dabei bekommt man, wie ein Sportler so eine Nummer auf den Rücken geklebt und wird einzeln aufgerufen. Dann werden die Tanzlinien angefragt und man muss einen Basisschritt machen. Das alles passiert draußen, in einem Innenhof der Kindergartens der "Ecole Alpha" und jeder guckt zu und applaudiert. Ab und zu muss man fallenden Mangos ausweichen, da ein großer Mangobaum die halbe Tanzfläche überragt.^^
Es gibt glaube ich sechs verschiedene "Klassen" in denen man dann immer schwierigere Sachen lernt und auch ab und zu wiederholen muss, wenn man die Prüfung nicht schafft.
Ich denke aber, das Janne und ich die erste Prüfung locker schaffen, da man hier alles erstmal ziemlich ausführlich lernt und es geht uns manchmal alles etwas zu langsam, besonders bei "Lorsque" der auch noch so langsam spricht! :D Mal gucken wie weit wir es noch schaffen bis Juli. :)


Fußball

Vor einem Monat sind Janne und ich einer Fußballfrauenmannschaft beigetreten. Ich wollte endlich mal wieder Sport machen auch wenns Fußball ist...Darin bin ich nämlich echt nicht so gut :D Chronische Angst vor Bällen und null technisches Können sind da meine Grundlagen. Aber rennen kann ich und das müssen wir viel.
Als wir zum ersten Mal zugeguckt haben und die 20 Mädels locker 10 Runden um den Platz gejoggt sind dachen wir schon "Oh nein, nach zwei Runden machen wir schlapp!!" Denn die joggen in der prallen Mittagshitze und das auf einem ziemliche sandigen Platz.  Beim ersten Training haben wir dann aber doch die Joggingrunde durchgehalten und waren mächtig stolz auf uns!:) Haben dann erstmal einen halben Liter geext und weitergings. Vor dem Training wird übrigens kurz gebetet.
 
Die Frauen sind ziemlich cool drauf und sind auch echt gut, finde ich. Und vielen sieht man es auch einfach an, dass sie Fußball spielen.^^ Weiß nicht genau warum, vielleicht liegt es an den kurzen, am Kopf geflochtenen Zöpfen, die im Nacken aufhören oder dem Irokesen...Wenn ihr sie sehen würdet, wüsstet ihr was ich meine. :D

Ab und zu war so Fußballtechnikkrams, was ich nicht so gerne mag, aber auch immer wieder Zirkeltraining und Sprints. Nach dem ersten Training hatten wir herrlichen Muskelkater, mindestens drei Tage. Oh, man das war ein Deja-vu Gefühl vom Volti Training Zuhause! Irgendwie toll!
Allerdings ist es durch die Hitze echt ziemlich zieeemlich anstrengend und wir wollen zwar eigentlich zum Training, aber...vielleicht machen wir doch lieber Yoga. Beim Fußball stand mein Kopf immer kurz davor zu explodieren und ich will ja nichts riskieren.
Und dann gehe ich bald auch wieder ins Fitnessstudio, wo ich dann auch immer Abends gehen kann, wenn es nicht mehr soo heiß ist.

Soo, das war's erstmal. Morgen Reisen wir über das Wochenende nach Kpalime und danach schreibe ich dann von unserer zweiten Ghana Reise über Silvester :)

Bonne Nuit et à bientôt! :)
Kathy









Samstag, 11. Januar 2014

Neues aus dem Projekt

Sorry, dass ich jetzt so lange nichts mehr geschrieben habe. Aber das liegt zum Teil auch daran, dass wir einfach viel mehr machen und oft unterwegs waren! :)
Erstmal erzähle ich, wie es im Projekt so läuft.

Im November war über eine Woche lang Streik. Das doofe war, dass niemand wirklich wusste, wann wieder Schule ist, so dass wir auch nichts unternehmen konnten und nur zu Hause rumsaßen...Das war echt nervig und wir hatten uns schon überlegt, das Projekt zu wechseln, wenn das mit dem Streik nicht bald besser wird. Allerdings wollten wir warten, bis wir zumindest mal unterrichtet hatten, bevor wir uns was anderes überlegen. 11 Tage Schule hatten wir im November, die wir dazu genutzt hatten, uns weiter den Unterricht anzugucken. Zusammen mit Oktober machten das 20 Tage Schule...Langsam wollten wir anfangen zu unterrichen, denn es wurde echt richtig langweilig nur hinten rumzusitzen und nichts zu tun. In unserer Freizeit gingen Janne und ich zwei mal die Woche zum Chor und zwei mal die Woche zum Sport.

Ende November waren wir dann noch vier Tage in Ghana, aber dazu später.
Am zweiten Dezember fing dann in der Schule die „devoirs surveilles“ an (Übersetzt „überbewachte Aufgaben“). Das sind Klausuren, vom Staat gestellt, und die ganze Woche ist dann kein Unterricht. In jedem Fach wird eine Klausur geschrieben, manchmal sogar zwei am Tag. Wir mussten dann auch Aufsicht schieben. Das war dann das erste Mal, dass wir alleine vor der Klasse standen. ^^

In unserern 6ten Klassen hatten alle Schüler 1h30 Zeit für vielleicht vier Aufgaben...Die meisten sind auch schneller fertig geworden, allerdings waren die Ergebnisse echt nicht so schön. Im Durchschnitt hatten die Schüler so 7 oder 8 von 20 Punkten! In den Klassen 6a, b, c war es noch etwas besser, weil die Schüler zum ersten Mal in der Klasse sind und der Lehrer auch echt besseren Unterricht macht. In der 6d sind zum Beispiel nur 15 Neue Schüler und die anderen 60 sind schon zum zweiten mal in der Klasse. Nach der Klausuren-Woche war es jedenfalls nur noch eine Woche bis zu den Ferien, weshalb die Lehrer meinten, es würde sich nicht mehr lohnen vorher anzufangen. Wir sollten dann im zweiten Trimester mit dem Unterricht anfangen.

Am 6ten Januar ging die Schule wieder los und wir äußerten noch einmal den Wunsch, dass wir anfangen wollen zu unterrichten. Am 9ten war es dann soweit: Donnerstag, erste Stunde Englisch, 6c. Ein Tag davor haben Janne und ich den Unterricht mit Hilfe des Unterrichtsprogrammes vorbereitet. Für eine Stunde soll man sich drei Aktivitäten überlegen. Das ist meistens sowas wie, Vocabulary, Dialogue & Grammar. Vorher dann noch eine kleine Wiederholung, ein Spiel oder ein Song und am Ende noch Hausaufgaben. Janne und ich haben zwei Klassen, die wir zusammen unterrichten. Da ich immer in der 6c hinten saß und sie in der 6e haben wir unsere Aufgaben aufgeteilt. In der 6c unterrichte ich und Janne ist dann quasi meine Assistentin. Sie schreibt alles an die Tafel, geht rum, während die Schüler abschreiben und hilft mir, die 80 Schüler zu bändigen. In der 6e machen wir es andersrum. Eigentlich meinten M. Folly & M. Gbadoe, dass sie am Anfang hinten sitzen würden und uns zugucken würden, allerdings war das Donnerstag und Freitag nicht der Fall...Naja, eigentlich fand ich das ganz gut :D Denn ich war eh schon ziemlich aufgeregt, aber so war es relativ entspannend.

Die erste Stunde lief ganz gut. Wir haben zwar nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten, aber dadurch dass wir zu zweit sind, können wir schon mal genauer auf die Schüler achten. Beim Abschreiben zum Beispiel machen die meisten immer viele Fehler, weil sie so weit hinten sitzen oder weil sie es nicht verstehen und einfach irgendwas schreiben. Außerdem sind viele richtig langsam und egal wie oft man sagt, sie sollen sich beeilen, viele haben am Ende nicht alles. Nur leider muss man irgendwann weiter machen und es von der Tafel wischen, sodass manche nur die Hälfte in ihren Heften haben und sich von alleine aber auch nicht um den Rest kümmern. Eine Schülerin hat echt alles falsch abgeschrieben, hatte bisher immer 0 Punkte und ich habe herausgefunden, dass sie eigentlich eine Brille hat, die sie aber nicht trägt. Ich meinte zu ihr, dass sie entweder ihre Brille am Tag darauf mitnimmt oder sie muss ganz vorne sitzen, damit sie was sieht.
Natürlich hatte sie ihre Brille nicht mit, falls sie überhaupt eine hat, also habe ich sie in die erste Reihe gesetzt. Nach der Abschreibzeit saß sie dann allerdings plötzlich wieder hinten...?!

Es ist echt richtig anstrengend, weil ich so richtig laut reden muss und manchmal sogar schreien muss, damit mich überhaupt wer versteht! Freitags, die letzte Stunde zu haben ist auch kein Geschenk, denn zu dem Lärm in der Klasse kommt auch noch der Lärm draußen, weil viele Lehrer ihre Klasse ein bisschen früher gehen lassen...toll.

In der Stunde, in der ich Assistentin war, lief es aber schon besser, denn die 6e ist nicht ganz so laut wie die 6c. Außerdem fand die Klasse es so richtig gut, dass wir den Dialog vorgespielt haben, denn das haben sie vorher noch nicht so oft gemacht. Dann gibt’s immer lauten Beifall. :)

Nach dem Unterricht kam uns dann eine Schülerin hinterhergelaufen und hat uns gefragt, ob wir jetzt wütend auf die Klasse wären, weil alle immer so laut sind. Sie war echt besorgt und meinte, dass eigentlich alle nett sind, nur dass sie eben viel reden. Das war echt süß von der Schülerin^^. Außdem kommen einem schon immer 100 Meter vor dem Klassenraum mehrere Schüler entgegen gerannt, um einem die Tasche abzunehmen.

Auch wenn es ziemlich anstrengend ist 80 Kinder zu unterrichten, ist es dennoch viel besser, als hinten zu sitzen und zu zugucken. Die Zeit verging wie im Flug!:)
Ich denke mit der Zeit wird es auch ein bisschen einfacher werden, wenn wir uns an das Unterrichten gewöhnt haben und die Schüler sich an uns gewöhnt haben.


Montag, 11. November 2013

Das Abenteuer-Wochenende in Atakpamé


Am ersten November war auch hier ein ein Feiertag, deshalb beschlossen Janne und ich an dem verlängerten Wochenende etwas zu unternehmen. Da wir von Nina und Leo, zwei Freiwillige aus Atakpamé wussten, dass sie wir sie gerne besuchen dürften, haben wir unserer Familie und unserem Mentor Bescheid gesagt.

Freitags morgens um sechs sollte es losgehen. Warum so früh wissen wir selbst nicht, denn in Agoé ein Taxi zu finden war gar kein Problem. Im Gegenteil, sobald wir aus dem Auto stiegen, kamen ungefähr 20 Männer, die alle wissen wollten wo wir hinwollten. Völlig überfordert folgten wir Leon, darauf Bedacht, dass niemand unsere Rucksäcke klaut. Beim Taxi verhandelten wir den Preis und stiegen ein. Danach stiegen noch ungefähr fünf Mal irgendwelche Reisende ein und aus?! Aber nach zehn Minuten, um kurz vor sieben, saßen wir dann zu viert hinten und vorne saßen zwei oder drei Personen. Während der Fahrt stieg die eine etwas fülligere Frau rechts an einer „Haltestelle“ in einer kleinen Stadt aus.  Wir fuhren weiter, so fünf bis zehn Minuten als wir erneut im Nirgendwo anhielten... „Je vais un peu pisser“ Achso!:D
Plötzlich, als hätte die eine Frau sich gebeamt, stieg sie wieder ein!! Das war eigentlich unmöglich und ist uns immer noch ein Rätsel...
Wir fuhren weiter: Alle Fenster offen, sodass unsere Haare in alle erdenklichen Richtungen abstanden, es war eng und heiß. Trotz Sonnenbrille war der Staub so heftig, immer wenn ich meine Augen schloss, fingen sie wie nach dem Zwiebeln schneiden so an zu Brennen und zu Tränen, dass ich irgendwann nur noch schniefend da saß und der Mann neben mir dachte ich würde immer wieder anfangen zu weinen :D Nach 2 ½ Stunden Fahrt kamen wir endlich in Atakpamé an.
Ich finde Atakpamé ist eine schöne Stadt. Mit 41.000 Einwohnern gehört Atakpame zu der fünft größten Stadt Togos, ist aber nichts im Vergleich zu Lomé. Es ist viel ruhiger, es stinkt kaum nach Müll und Abgasen und dann die schönen Berge! Atakpamé liegt schon in der Plateau-Region Togos, es ist total grün, Hügel ziehen sich durch die ganze Landschaft und nachts kann man unendlich viele Sterne sehen!:)  Dafür ist es ab 19 Uhr aber auch so dunkel, dass wir ohne Taschenlampe nichts sehen können.


Bei unseren Freunden angekommen gab es erst mal ein zweites kleines Frühstück. Wir waren jetzt fünf Mädels, da Cora aus Lomé auch noch zu Besuch war. Nina und Leo wohnen sehr schön, sie haben im Erdgeschoss eine eigene kleine Wohnung und sogar einen Kühlschrank! Die Familie bildet Friseurinnen aus, weshalb im kleinen Innenhof immer was los war und die Frauen immer neue Frisuren hatten. Die zwei süßen kleinen Gastschwestern Grâce und Fanny wuselten ständig um uns herum und fanden es total witzig einen zu kitzeln und dann schreiend und lachend wegzurennen. :) Als ich der einen einmal in den Innenhof (in dem übrigens ein Mango-Baum wächst!) gefolgt bin, sang ich fröhlich N'dilanya vor mich hin. Das ist ein Lied auf Ewe, das wirklich jeder kennt. Fanny lachte sich halb tot und zerrte mich sofort mit zu dem Friseursalon, wo so 5-10 Frauen saßen, standen und Haare flochten. Ohne zu verstehen, was sie sagten wusste ich, dass ich jetzt N'dilanya vorsingen soll, denn das fänden alle so richtig witzig!:D Okay, dachte ich mir, dann los.
Der Text in Lautschrift geht irgendwie so: N'dilany, n'kelejonie waku odome, n'dilasse enya gome, oh gääää (oh girl)“...

Anscheinend ist das total lustig, wenn eine weiße das singt, da ich auch nicht weiß wie richtig oder falsch ich den Text ausgesprochen habe. Jedenfalls mussten alle lachen und ich sollte das Lied immer wieder singen. Ich fand das Ganze allerdings auch so witzig, dass ich vor Lachen kaum singen konnte und irgendwann geflüchtet bin. In den zwei darauf folgenden Tage wurde ich von den Frauen nur noch mit „N'dilanya?“ angesprochen.

Den Tag über haben wir viel Wizard gespielt und noch zwei Folgen Himym geguckt, wobei ich allerdings wunderbar einschlafen konnte. Abends waren wir dann noch auf dem Markt um für unser Abendessen einzukaufen. Im dunklen auf einem Taxi-Moto zu fahren, mit der fast kühlen Luft ist einfach der Hammer! Abends haben wir dann super leckeren Pfannkuchen gegessen mit Zimt und Zucker, Bananen und Himbeermarmelade. Ein Traum!

Später entdeckten wir noch eine ziemlich, ziemlich, zieeeemlich große Kakerlake. Während eine mit zwei Schuhen bewaffnet zum Angriff bereit stand haben sich die anderen auf Stühlen in Sicherheit gebracht (was nebenbei so garnichts bringt, da das Viech männlich war, Flügel besaß und ein bisschen fliegen konnte) und ich stand mit der Kamera bereit um alles zu filmen. Bis wir das Ding erledigt hatten, hat es 10 Minuten gedauert und vom Kreischen, wegrennen und lachen mussten wir uns danach erst mal erholen! :D Ich sag euch, das Video ist echt gut geworden...
Im Laufe des Abends hatten wir beschlossen am Samstag einen Ausflug zu machen. Wir wollten nach Akloa fahren und dort den Wasserfall besichtigen. Da dieser 80 Kilometer entfernt ist wurde das zu einem Tagesausflug.
Um sieben Uhr am nächsten Tag machten wir uns also auf um ein Taxi zu finden, das uns bis nach Badou bringt. Nach nur fünf Minuten hatten wir einen Taxifahrer gefunden, allerdings waren wir uns im Preis nicht einig. Am Ende des Tages hatten wir aber eingesehen, dass sein Preis für die Tour durchaus angemessen war...^^
So machten wir es uns zu viert auf der Rückbank „bequem“. Die „Straße“ führte durch eine wunderschöne, unberührte Landschaft und teilweise hatten wir eine atemberaubende Aussicht! Es war auch ziemlich spannend, da die Straße in einem grauenvollen Zustand war und ich an manchen Stellen einfach nur gebetet habe, dass wir nicht im Matsch stecken bleiben...

Wir fuhren durch zahlreiche kleine Dörfer, wo es bestimmt keinen Strom gab, die Häuser aus dem schönen rotem Lehm bestanden und die Dächer mit Stroh bedeckt waren. Interessiert starrten wir aus dem Fenster und die Kinder starrten zurück und riefen wie immer „Yovo, Yovo, Boooonsoir!“
Unsere Stimmung war dank der coolen afrikanischen Musik ziemlich gut, während die des Taxifahrers immer schlechter wurde^^ Aber nachdem wir ihn mit Keksen, Bananen und Pain versorgt hatten, erhellte sich auch seine Miene wieder.

Um 11 Uhr erreichten wir dann endlich Badou. Von dort aus ging es auf Motorrädern weiter, da die Straße für ein Auto unpassierbar war. Jeweils zu DRITT auf einem Motorrad fuhren wir bis Akloa und auch hier war es wieder Glücksache, dass wir mit den Taxi-Motos kein Schlammbad genommen haben. In Akloa angekommen bekamen wir drei Führer, die uns begleiten sollten. Nun hieß es 40 Minuten wandern. Darauf habe ich mich am meisten gefreut, auch wenn es bei 30 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit echt heiß war! :D


Wir wanderten durch den Urwald und konnten es nach zwei Minuten kaum noch abwarten schwimmen zu gehen. Mehrere Flüsse mussten durchquert werden und nach dem 2ten Fluss sind wir dann einfach Barfuß weitergegangen. Aber spätestens als die ersten von Riesenameisen und Käfern in den Zeh gebissen wurden, war klar, dass Barfuß durch den Urwald wandern nicht unsere beste Idee war.^^ Ich ging in Socken weiter, auch wenn ich die danach wegschmeißen konnte. Das war schon praktischer.
Nach einer Stunde hörte ich dann das Rauschen des Wasserfalls und kurz darauf stand ich mit offenem Mund vor dem beeindruckenden Wasserfall. Der Wasserfall ist mit 70 Metern einer der höchsten in West-Afrika. Wir erledigten uns schnell unseren Sachen und kletterten halbwegs elegant ins Wasser. Die Abkühlung tat so gut! Fünf Meter neben uns donnerte der Wasserfall ins Wasser, während wir erst mal für ein Foto versuchten zu posieren :)
Als wir schließlich genug hatten und bereit zum Aufbruch waren gönnten wir uns die 5te Banane am Tag und gaben unserer Begleitung natürlich auch was ab.


 
Der Rückweg war genauso schön und ich sah wundervolle Schmetterlinge und eine Monster-Raupe, die aus Stacheln bestand!:o Etwas gestört hat dann allerdings, dass der eine Führer sein Handy rausholte und irgendeine schreckliche Electro-Musik anmachte. Das passte so gar nicht und als ich mich zu ihm umdrehte, wurde ihm das wohl auch klar. :D

In Badou ging es dann mit unserem Taxifahrer wieder zurück nach Atakpamé. Wir kauften uns nochmal 20 Bananen für einen Rekordpreis und fuhren los. Nach fünf Minuten stieg dann noch eine Frau ein, die dann zusammen mit Leo vorne auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Als wir dann kurze Zeit später nochmal anhielten, fragten wir uns wo zur Hölle jetzt noch eine 8te Person sitzen sollte?? Ganz einfach: auf dem Fahrersitz. Also ich persönlich hätte gewisse Probleme Auto zu fahren, wenn ich mir als Fahrer einen Sitz teilen müsste, aber gut. Das ganze war so komisch, dass wir richtig lachen mussten und die anderen dann wiederum über uns lachen mussten. Nach zwei Stunden fingen wir dann lauthals zu singen. An Tagen wie diesen. Lemon Tree. Abba und anderes! :) Auf jeden Fall hatten wir so richtig Spaß und als wir dann um 18 Uhr  im Dunkeln ankamen immer noch richtig gute Laune.
Nach einem leckeren Essen mit der Gastfamilie fielen wir spät am Abend zufrieden ins Bett.
Sonntags sind Janne, Cora und ich wieder nach Lomé aufgebrochen, auch zu viert hinten und vier vorne.^^
Zuhause angekommen durften wir dann unserer Familie die ganzen Fotos zeigen, denn bei dem Wasserfall waren sie noch nie gewesen.

Das war's von meinem Abenteurer in Atakpamé.: :))

Au revoir
Kathy


















Dienstag, 5. November 2013

Die ersten Wochen in unserem Projekt „Lyceé Tokoin Solidarité“

Am Mittwoch, den 16ten Oktober fing nun endlich die Schule an. Ich war ziemlich aufgeregt, weil ich nicht wusste was mich erwartet und wie der Unterricht wohl wird. Gleichzeitig habe ich mir aber gedacht, dass wir wahrscheinlich erst mal nur unseren Stundenplan bekommen und noch nicht so viel machen können. Das mit dem „nicht-viel-machen“ stimmte auf jeden Fall schon mal, denn an unseren ersten Tag saßen wir nur im Lehrerzimmer, haben einige Lehrer kennengelernt und sind wieder nach Hause gegangen. Donnerstag haben wir dann auch direkt wieder frei gehabt, weil wir den Stundenplan erst Freitag bekommen könnten. Okay, gut, dann mussten wir halt erst Freitag den Wecker wieder auf 5:30 stellen.
Am Freitag wussten wir dann zum ersten mal, was es heißt in Afrika zu unterrichten oder beim Unterricht zuzugucken. Janne und ich folgten M. Folly, ein lustiger und zugleich sehr strenger Lehrer. Letzteres ist eigentlich unabdingbar, da die Schüler sonst irgendwann auf den Tischen stehen, glaube ich...
Den Unterricht kann man nicht wirklich mit dem in Deutschland vergleichen, da die Bedingung ganz andere sind. In den drei 6ten Klassen, in denen wir immer hinten drin sitzen, sind so 75-85 Schüler, die alle zwischen 10-18 Jahren alt sind. In der Abiklasse sind sogar 125 Schüler zwischen 18 und 28 Jahren. Bei dem Alter der Schüler dachte ich mir so „wie soll ich die Unterrichten, wenn ich selbst gerade erst aus der Schule bin und ich mich sogar noch an meinen ersten Schultag erinnern kann!?“ Ich hoffte nur, dass mir die Schüler nicht anmerken würden, dass ich selbst nicht viel älter bin als sie...Jaja, ich weiß, es ist alles eine Sache des Auftretens und man muss souverän sein und so...Aber trotzdem waren wir erst mal froh, dass wir nur zusehen mussten.


Dass die Schüler so viel älter sind, liegt daran, dass viele erst später zu Schule gehen können, weil sie Zuhause helfen müssen oder mit auf den Markt gehen um zu arbeiten. Manche Schüler in der Abiklasse arbeiten noch vor oder nach der Schule oder haben schon Familie. Da ist es kein Wunder, dass 40-50% wiederholen müssen.
Der Englischunterricht in der 6ten Klasse läuft ungefähr so ab: Der Lehrer spricht Vokabeln oder Sätze vor und die GANZE Klasse wiederholt das dann. Nach einigen vor-und-nachsprech Übungen müssen dann einzelne Schüler die Wörter wiederholen, dann werden sie an die Tafel geschrieben, es folgt ein kleiner Dialog, der auch von allen nachgesprochen wird und dann müssen die Schüler das Geschriebene von der Tafel abschreiben. Da die Schüler gerade erst mit Englisch anfangen, läuft es meistens so ab und nach und nach kommen immer mehr Dialoge hinzu. Für das Abschreiben bekommen die Schüler immer nur richtig wenig Zeit, damit es nicht so laut wird und die Schüler nicht auf die Idee kommen Langeweile zu bekommen. Alles geht Zack-zack!!


Der Unterricht beginnt immer um 7 Uhr und geht mit einer kleinen Pause bis 12 Uhr. Nur einige Schüler, der höheren Klassen haben noch nachmittags Unterricht. Die Klassenräume sind so groß wie die in Deutschland. Allerdings gibt es keine geschlossene Fenster, sondern so viereckige Löcher in den Wänden. Die Türen stehen auch alle offen, weshalb es schon so total laut ist, denn man hört noch mindestens sechs weitere Klassen. Um 12 Uhr sind wir dann meistens immer richtig fertig, denn es ist ziemlich heiß und anstrengend. Die Lehrer hier sagen oft, dass wir mutig seien, weil es total anstrengend sei hier zu unterrichten und hinzu komme noch, dass wir weiß & jung sind...Ja, macht uns Mut!!
Bisher saßen wir im Unterricht immer hinten drin und wir schreiben alles schön mit, damit wir uns auf das eigene Unterrichten vorbereiten können und auch damit uns nicht langweilig wird.
Die Lehrer hier sind alle sehr nett und auch recht cool und lustig drauf. Im Lehrerzimmer ist immer eine gute Stimmung und wenn es zur nächsten Stunde schellt, dann heißt das noch lange nicht, dass diese auch beginnt.^^ Ich konnte schon öfter beobachten, dass die Menschen hier die Ruhe selbst sind und einfach sooo langsam laufen :D Aber es ist ja auch heiß...
Da die Lehrer an staatlichen Schule wohl richtig schlecht bezahlt werden wird hier regelmäßig in ganz Togo gestreikt. So haben wir unerwartet immer mal wieder frei, aber da wir das erst in der Schule erfahren ist das auch eher nervig. Irgendwie weiß hier niemand so genau ob diese Woche noch Schule sein wird oder nicht...
So, das war’s erst mal zu den ersten Arbeitswochen. :)
Wenn ihr noch Fragen zur Schule, zum Unterricht oder zu was auch immer habt, stellt sie gerne:)

Au revoir
Kathy

Ganz schön viel erlebt

Jetzt hab ich mich schon einen Monat nicht mehr gemeldet und es gibt wieder viel zu erzählen. Wir haben im Fitnessstudio mit „Gym Tonic“ angefangen, die Schule und damit unser Projekt hat endlich begonnen, wir haben was Deutsches gekocht, waren auf einem Bierfest, haben einen Film mit der Familie geguckt und waren ein Wochenende in Atakpamé...Ich habe irgendwie nie die Zeit dafür gefunden das alles nochmal im Blog zu schreiben. Aber nun werde ich euch an all den schönen, aufregenden und lustigen Erlebnissen teilhaben lassen :)

Janne und ich haben uns vor einem Monat im Gym Center hier um die Ecke angemeldet, weil wir einfach mal wieder was tun wollten. Zwei Mal die Woche machen wir Gym Tonic, dass heißt wir springen Seilchen, machen so Choreos auf dem Stepper, Kraftübungen und gaaaanz viel Bewegung. Das Fitnessstudio könnt ihr euch in etwa so vorstellen wie eins in Deutschland: Unten ist ein großer Raum mit Matten und alles ist verspiegelt, damit wir uns beim Schwitzen auch ja schön beobachten können^^. Es gibt Stepper, Bälle, Stangen, Hanteln, Seilchen, Ghettoblaster...damit arbeiten wir dann. Oben gibt es noch ganz viele Geräte, die wir allerdings noch nie benutzt haben. Beim Training sind wir meistens so 8 Frauen und ein Trainer, der immer schön böse guckt und uns motoviert auf keinen  Fall aufzuhören! Komischerweise kommen immer wir Yovos so richtig ins Schwitzen, bei den anderen hält sich das in Grenzen. Total gemein! Aber ich freue mich immer sehr auf das Training, endlich mal wieder Schwitzen mit Grund. Und danach fühlt man sich auch einfach viel besser:)
Nicht zuletzt gehe ich auch gerne dahin, weil der Trainer cool ist und ganz nett aussieht...:D

Au revoir
Kathy

Donnerstag, 26. September 2013

In einer afrikanischen Messe & noch ein paar Fotos

In einem Gottesdienst in Lomé läuft es eigentlich garnicht so anders ab, als ich zunächst erwartet hatte. Der Ablauf war der gleiche, die Texte erinnerten mich an die Gottesdinste bei uns, nur eben auf französisch.^^  Die Stimmung allerdings, die war anders!!
Janne und ich saßen in einer riesen, wunderschönen Kirche, die bis zur letzten Reihe gefüllt war. Wir haben nachgefragt: es passen so 600 Leute in die Kirche. Und draußen, auf weiteren Bänken neben der Kirche saßen auch noch Menschen, die am Gottesdienst teilgenommen haben. Alle waren richtig schick angezogen, manche Kinder hatten sogar hohe Schuhe an. Und alle Frauen hatten total schöne Frisuren und Kleider an! Als wir um acht Uhr vor der Kirche standen  mussten wir erstmal warten, bis die erste Messe um sechs Uhr zuende war und die anderen 600 Menschen aus der Kirche kamen...
Eine Messe hier dauert so zwei Stunden. Hört sich erstmal viel an, aber die Zeit vergeht so schnell, jedeglich die Füße verraten einem, dass man nicht mehr stehen kann! Die meiste Zeit wird gesungen und der Gospelchor, der mitten in den Bänken steht, singt richtig klasse!! Haben sogar letztens ihr erstes Album verkauft.
Und wenn dann alle 600 Menschen mitsingen bekomme ich dann schon mal eine Gänsehaut, so schön klingt das! Es gibt auch keine Orgel, sondern es spielt eine Liveband  mit allem was dazu gehört.
Nach zwei Sonntagen haben Janne und ich dann auch mal verstanden, wie das mit der Kollekte abläuft. Erst gehen alle Frauen nach vorne und schmeißen Geld in den Beutel. Danach gehen dann alle Männer. Und weil das noch nicht reicht geht es danach nochmal reihenweise. Und das dauert seine Zeit!:D
Der Gottesdienst hat mir auf jeden Fall richtig gut gefallen und wir gehen von nun auch wahrscheinlich jeden Sonntag und stehen freiwillig um halb 7 auf! :)
Außerdem werden wir bald auch in einem Chor mitsingen, denn hier gibt's richitg viele Chöre und unsere Gastoma hat uns versprochen nächsten Sonntag mal bei einem Chor nachzufragen.

Die erste Strophe des Glaubensbekenntnis auf Französisch:
Je crois en Dieu le Père Tout Puissant Créateur du ciel et de la terre. Je crois en Jésus son fils unique, qui est née de la Vierge Marie. Crucifier sous le règne de Pilate...

 ...mal gucken wann ich alles auswendig kann^^

Und noch ein paar Fotos


"Christen, im täglichen Leben, zeigt euren Glauben"











Ich beim waschen. Mathias & Odilon versuchen mir dabei zu helfen
Die Lagune
Freunden beim Fussball Training zugeguckt

Maurice, Janne und ich beim entfernen der "Tresse"














Au revoir & à bientôt!
Eure Kathy